PädagogInnen

Was bedeutet „transkulturell“ für unser Projekt?

Der Begriff Transkulturalität wurde vom Philosophen Wolfgang Welsh entwickelt. Das Konzept steht für einen neuen Blickwinkel auf den Begriff „Kultur“ und grenzt sich von den bisherigen Konzepten der Multikulturalität ab.

Er fußt darauf, dass das Zusammenleben der Kulturen in Mitteleuropa heute anders ist, als bisher bestehende Konzepte es beschreiben. Bis jetzt wurde oft von einem Kulturkonzept ausgegangen, welches auf der Idee von in sich geschlossenen, einheitlichen Nationalkulturen beruht. Welsch argumentiert gegen diese Ansicht von Kulturen als in sich einheitliche, klar abgrenzbare Kugeln oder Inseln. Er betont, dass Grenzen zwischen Kulturen fließend und unklar sind und es immer schon – aber besonders in unserer modernen Zeit – viel Austausch und gegenseitige Beeinflussungen gab und gibt.

Die Konzepte der Multi- und Interkulturalität bauen noch auf einem anderen Kulturkonzept auf. Hier wird versucht Kommunikation und Austausch zwischen verschiedenen Kulturen, die in einem Nationalstaat leben, zu fördern, um interkulturellen Konflikten vorzubeugen. Laut Welsch entstehen interkulturelle Probleme aber genau dadurch, dass der Blick auf die Wirklichkeit (das heißt Menschen fixen, stabilen, voneinander grundlegend unterschiedlichen Kulturen zuzuordnen) nicht unserer heutigen Realität entspricht.

Im transkulturellen Kulturkonzept werden Kulturen als hochgradig miteinander verflochten und einander durchdringend angesehen. Lebensformen enden nicht mehr an den Grenzen der Nationalkulturen, sondern überschreiten diese und finden sich ebenso in anderen Kulturen. An vielen Orten der Welt haben Menschen heute die Möglichkeit sehr unterschiedliche Identitäten und Lebensformen zu leben. (Quelle: http://www.forum-interkultur.net/uploads/tx_textdb/28.pdf)

Bezogen auf unsere praktische Arbeit heißt das, dass wir weder von „einer“ österreichischen Kultur, noch von „einem“ Migrationshintergrund ausgehen.

Wir gehen davon aus, dass Menschen sehr unterschiedliche Erfahrungen machen, sehr unterschiedliche Lebensstile pflegen und eine Vielzahl an Identitäten möglich sind – auch innerhalb eines Landes. Wir legen den Fokus auf Gemeinsamkeiten und Überschneidungen, denn wir finden, dass Menschen verschiedenster Herkunft, in diversen Bereichen des Lebens auch viele ähnliche Erfahrungen machen.

Unser Zugang zu Prävention ist auch durch das Konzept der Intersektionalität geprägt. Dieses beschreibt, dass die Erfahrungen einer Person von einer Vielzahl von Faktoren, und den verschiedenen Überschneidungen dieser, abhängt. Neben der Kategorie ethnischer/kultureller Hintergrund werden auch anderen Faktoren wie Geschlecht, Alter, körperliche Fähigkeiten/ Einschränkungen, sexuelle Orientierung, sozialer und familiärer Hintergrund, Religion/ Weltanschauung etc. miteinbezogen. Intersektionalität geht davon aus, dass verschiedene Kategorien nie als isoliert voneinander verstanden werden können.

So können wir nicht über “Kinder mit Migrationshintergrund” sprechen. Ein Kind der dritten Generation aus einer bildung- und armutsgefärdeten Familie macht -denken wir- andere Erfahrungen, als ein Kind welches z.B. vor einem Jahr mit seinen gut verdienenden Eltern nach Österreich gekommen ist. Ein Kind aus einer traditionell-konservativ lebenden Familie, welches sich nicht geschlechterrollenkonforn verhält, macht nicht die selben Erfahrungen, wie ein Kind, dass in der gleichen Familie die Geschlechtererwartungen erfüllt etc.

Jedoch müssen sich viele Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund mit Rassismus und Abwertung auseinandersetzen. Deswegen ist es uns wichtig anti-rassistisch zu arbeiten, daher den eigenen kulturellen Hintergrund wertzuschätzen, ohne jedoch Kindern und Menschen eine gewisse (kulturelle) Identität vorzugeben / zuzuschreiben.

Uns geht es darum, Vielfalt im Sinne von “Diversity” als Ressource und Bereicherung zu erleben, was für eine positive Identitätsentwicklung und für das gute Zusammenleben in einer internationalen Stadt wie Wien von Bedeutung ist.

Was ist Gesundheitsförderung ?

Gesundheit – Die Definition der Weltgesundheitsorganisation:

„Gesundheit ist umfassendes körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden, nicht nur das Freisein von Krankheit oder Behinderung.”
(Weltgesundheitsorganisation, 194)

Gesundheit setzt sich aus der

  • körperlichen: sich körperlich wohl fühlen, frei von messbaren Symptomen sein (Übergewicht, Fehlhaltungen, Blutwerte – z.B. Cholesterin, frei von Erbkrankheiten sein, körperlich „normal” belastbar  und leistungsfähig sein)
  • emotionalen: gut mit sich selbst zurecht  kommen – sich mit sich selbst wohl fühlen, Selbstvertrauen haben, äußere Ereignisse sinnvoll interpretieren und Stress bewältigen können)
  • sozialen Gesundheit: gut mit anderen zurecht kommen, befriedigende soziale Beziehungen aufbauen und leben können, adäquates soziales Verhalten an den Tag legen können, eigene Ziele und Ideen sozial verträglich verwirklichen können)  zusammen.   

(aus Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördrung – ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen von Christina Dietscher)

Gesundheitsförderung: Die Definition der Weltgesundheitsorganisation:

„Gesundheitsförderung zielt auf den Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.

Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können.

In diesem Sinne ist Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. … Die Verantwortung für die Gesundheitsförderung liegt deshalb nicht nur beim Gesundheitssektor, sondern

bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden.” (Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation, WHO 1986)

 

 

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